weltladen/ März 3, 2019/ Divers

Fairer Handel = Frauenpower!

In vielen Ländern der Welt sind es die Frauen, die besonders betroffen sind von Benachteiligung und oft gar keinen Zugang zu Bildung und Arbeit haben – mit zahlreichen negativen Auswirkungen für die jeweilige Gesellschaft. Der Faire Handel bietet eine echte Alternative.

Frauen leisten weltweit 70 % der Arbeit, davon den Großteil der unbezahlten Arbeit, erhalten aber nur 10 % des Einkommens. Die österreichischen Weltläden nutzen den 8. März, um auf den positiven Unterschied aufmerksam zu machen: „Im Fairen Handel ist die Rolle der Frauen anteilsmäßig eine gänzlich andere – fair gehandelte Produkte einzukaufen ist also ein Beitrag, um Frauen weltweit zu stärken“. Die Zahlen der WFTO zeigen dies deutlich: Fair-Handelsorganisationen setzen Standards für Geschlechtergerechtigkeit!

Die Infografik der WFTO zeigt den Unterschied:

Die Zahlen wurden 2018 von der World Fair Trade Organization veröffentlicht auf https://wfto.com/WomensDay2018. Der neue Bericht wird am 8. März 2019 von der WFTO veröffentlicht und ist in deutscher Übersetzung dann auch auf der Webseite der österreichischen Weltläden www.weltladen.at zu finden.

Fairer Handel stärkt Frauen im globalen Süden 

 Während bei uns im globalen Norden die Geschlechtergerechtigkeit häufig auf den Umstand der ungleichen Bezahlung für gleiche Leistung reduziert wird, kämpfen Frauen im globalen Süden mit zahlreichen weiteren Problemen. In vielen Ländern ist es Frauen kaum möglich, Zugang zu einer bezahlten Arbeit, ausreichend Ernährung, Bildung, und Gesundheitsvorsorge zu erhalten. Dadurch geraten sie in einen Teufelskreis aus Abhängigkeit und Armut, der nur schwer zu durchbrechen ist.

Der Faire Handel ermöglicht den Frauen im globalen Süden einen Ausweg aus dieser Situation. Es wird ein fairer Preis bezahlt, welcher ein Grundpfeiler einer solidarischen Zusammenarbeit und damit Grundlage für ein würdevolles Leben ist. Außerdem garantiert der Faire Handel den Menschen am Anfang der Handelskette faire Bedingungen wie Abnahmegarantien und Vorfinanzierungen und ermöglicht ihnen einen direkten Zugang zum Weltmarkt. Zudem erhalten die Partner-Kooperativen der anerkannten Lieferant*innen der Weltläden Biozuschläge und Prämien, die sie solidarisch in Programme für Gesundheit, Bildung, Gewaltprävention, Mobilität und Vorsorge für Krankheit und Alter investieren können. (Foto: EZA)

 

Frauen nehmen den Handel in die Hand 

In vielen Kulturen herrschen auch Rollenmuster, welche die Geschlechtergerechtigkeit unterlaufen. Frauen arbeiten zwar in vielen Ländern an der Herstellung verschiedenster Produkte mit, allerdings meist nicht im Verkauf. Den übernehmen traditionellerweise die Männer, welche dann die Einnahmen verwalten. So geraten die Frauen in finanzielle Abhängigkeit. Im Fairen Handel ist es bewusst anderes. Frauen erwirtschaften ihr eigenes Einkommen und entkommen so der Abhängigkeit – konkretes Empowerment für die ganze Gesellschaft vor Ort. Auch die Kinder sind so geschützt vor ausbeuterischer Kinderarbeit und erhalten durch das Einkommen der Mutter die Möglichkeit zu einer Schulbildung.

Gladix Hernandez Vorsitzende von APROLMA mit der Tochter einer Genossenschafterin auf der Kaffeeparzelle. Foto: EZA

Viele Projekte sowie Kooperativen des Fairen Handels unterstützen Frauen in nochmals erschwerten Situationen wie z.B die Kaffee Kooperative APROLMA in Honduras, die sich in der von Männern dominierten Kaffeewelt einen Platz geschaffen hat. Frauen kämpften darum, gleichberechtige Akteurinnen auch im Handel und nicht nur in der Arbeit am Feld zu sein und gründeten die Frauenkooperative, die biologischen Anbau betreibt. Der Kaffee – erzeugt und vermarktet von Frauen – wird als Adelante Frauenkaffee bezeichnet. Adelante bedeutet vorwärts. Mit ihrem Verdienst bekommen die Frauen Anerkennung und Respekt aus der männlich dominierten Gesellschaft – ihre Position verbessert sich. Weitere Informationen: www.eza.cc/aprolma

Tanu Dey, Geschäftsführerin Dhaka Handycrafts Bangladesch. Foto: EZA

Ein weiteres Beispiel ist die Organisation DHAKA HANDICRAFTS aus Bangladesch, welche in einer sehr konservativen, überwiegend muslimischen Region Frauen ermutigt, Leitungspositionen in einer der 60 Kunsthandwerksgruppen zu übernehmen. Die Gruppen erzeugen aus lokal vorkommenden Rohstoffen wie Bambus, Holz, Ton, Gras, Jute oder auch Plastikabfall hochwertiges Kunsthandwerk. Die Organisation bemüht sich mit zusätzlichen Maßnahmen die wirtschaftliche und soziale Stellung der Frauen in den ländlichen Gegenden zu verbessern, um geschlechtsbezogener Diskriminierung, häuslicher Gewalt und sexueller Belästigung entgegenzuwirken. Hierfür gibt es ein Gender Training für Multiplikator*innen – Frauen und Männer.
Mehr Informationen: https://www.eza.cc/dhaka

Mitarbeiterin bei der Fertigung von Geschenkskartons aus geschröpftem Papier. Foto: dwp - die WeltPartner

Auch der Fairhandelspartner GET PAPER INDUSTRY aus Nepal, der schmucke Papier-Geschenkeschachtel für die Weltläden herstellt, beschäftigen in der Produktion überwiegend Frauen. Auch ohne Schulbildung haben die Frauen dadurch Einkommensmöglichkeiten. In einem Land, in dem die Analphabetismus-Rat sehr hoch ist, ist es dank eines Stipendienprogramms zum Beispiel gelungen, 125 Mädchen den Schulbesuch zu ermöglichen. Dieses Programm wird gemeinsam mit Fair-Handelspartner und -partnerinnen ermöglicht.
Mehr Infos: https://www.weltpartner.de/de/handelspartner/asien/nepal/get-paper-industry

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